SCHILDER IN DER WÜSTE

Ein Roman von Hannelore Dietrich

 Gibt es ein richtiges Leben im falschen? Um diese Frage kreist dieser Roman. Die Hauptfigur Florentina, eine junge Frau, bekommt langsam ihr Leben in den Griff. Jahrelang hat sie getrödelt und auf Kosten ihrer Mutter gelebt. Jetzt wohnt sie in der Schweiz und steht kurz vor dem Abschluss ihres Studiums. Sozial ist sie wenig angepasst, nennt sich selbst ein Stacheltier. In ihrer ländlichen WG leben aber Menschen, die ihre weicheren Seiten wecken: ein mutterloser Teenager, ein für die Umwelt kämpfender Ingenieur, ein kinderloses Ehepaar. Eine fast zärtliche Beziehung baut Florentina zu einer verwirrten alten Frau auf.
Als sie erfährt, dass ausgerechnet die Person, der sie am meisten vertraut, ihr als Kind schweres Unrecht angetan hat, ist sie tief getroffen. In ihrem Kummer schüttet sie dem Mitbewohner Jonah das Herz aus. Aus der emotionalen Nähe wird Intimität und Florentina wird schwanger. Ihr gesamtes Lebenskonzept droht zu scheitern. Was wird aus ihrer beruflichen Zukunft? Hat das Kind in der von Krisen geschüttelten Welt ein gutes Leben zu erwarten? Sie entschliesst sich zur Abtreibung, doch Jonah ist dagegen. Wie soll sie sich entscheiden?
Die Geschichte ist in der Hauptsache aus Florentinas Sicht erzählt, zum Teil auch aus derjenigen Jonahs und der alten Frau. Der Perspektivwechsel, zusammen mit der präzisen Figurenzeichnung und dem prägnanten Schreibstil, bietet ein hohes Lesevergnügen. Schilder in der Wüste ist der letzte Band einer Trilogie, nach Vom Himmel gefallen und Zeichen an der Wand. Die Romane können aber unabhängig voneinander gelesen werden.

 

Rezension von Barbara Traber